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Dieser Artikel wurde am
16. April 2012 veröffentlicht.

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Wenn die Lebensmittellobby gesunde Ernährung anpreist…

… sollte man gut aufpassen. Leider gibt es Ratgeber, die keinen Rat, sondern zurechtgebogene Informationen enthalten. Denn es geht nicht immer nur um das Wohl des Verbrauchers, sondern zu oft um kommerzielle Interessen. Gerade wenn die Lebensmittellobby ihre Finger im Spiel hat, sollte Vorsicht geboten sein. Besonders wenn sie sich hinter Ratgebern versteckt, die von der Regierung veröffentlicht werden.

Das Amerikanische Landwirtschaftsministerium vs. Harvard

Im Herbst 2011 präsentierte die renommierte amerikanische Universität Harvard einen Ratgeber für gesunde Ernährung. Die Wissenschaftler verglichen ihren Ratgeber mit den Richtlinien des Amerikanischen Landwirtschaftsministeriums und stellten dabei fest: Das stark vereinfachte Schema der Regierung verschwieg wesentliche Fakten, die zwar der Gesundheit der Bürger, aber nicht der Lebensmittellobby nützen könnten. Um welche Fakten handelt es sich nun genau?
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Vollkorn oder Weißmehl?

In Deutschland hat es sich schon längst herumgesprochen: Vollkorn ist gesund – und zwar deutlich gesünder als Produkte aus Weißmehl. Diesem elementare Unterschied wird im Ernährungsratgeber der amerikanischen Regierung keine Rechung getragen: Hier wird nur „Getreide“ angepriesen. Dass Weizenbrot oder weißer Reis das Risiko für Übergewicht, Diabetes und Herzerkrankungen erhöhen können, wird verschwiegen. Korn ist eben nicht gleich Korn.

Gutes Fleisch, schlechtes Fleisch

Proteine sind wichtig für den Körper – hier sind sich Harvard und die amerikanische Regierung einig. Doch die Wissenschaftler von Harvard beschreiben genauer, woher diese Proteine kommen sollten. Fisch, Geflügel oder Nüsse sind gesunde Eiweißlieferanten. Wer um diese Details nicht weiß, könnte sich guten Gewissens Burger und Steaks in den Einkaufswagen legen – und dabei sein Risiko für Dickdarmkrebs, Herzkrankheiten oder Diabetes unwissentlich erhöhen. Die Vermutung liegt nahe, dass eine solche Differenzierung für die amerikanische Lebensmittellobby schädlich wäre. Denn wer würde noch zu rotem Fleisch greifen, wenn das damit einhergehende Risiko allgemein bekannt wäre? Und so spricht der regierungs- (und lobby-)treue Ernährungsratgeber lieber von „Proteinen“, ohne weiter zu differenzieren.

Zu jeder Mahlzeit ein Glas Milch?

Der Verzehr von zu viel Milch kann gesundheitsschädigend wirken und das Risiko für Prostatakrebs erhöhen. Zwei Gläser Milch am Tag reichen völlig aus, so der Ernährungsratgeber aus Harvard. Empfehlenswert sind auch Wasser und Tee, da sie wenige Kalorien enthalten. Die amerikanische Regierung rät dagegen, zu jeder Mahlzeit Milch zu trinken. Kein Wort über die Risiken oder alternative kalorienarme Getränke. Wer profitiert hier? Der Verbraucher? Oder die amerikanische Milchlobby?

Welches Öl ist gesund?

Gesunde Öle, wie Raps- oder Olivenöl, sind gut für das Herz und senken den Cholesterinspiegel. Deshalb raten die Forscher von Harvard, diese reichlich zu verzehren. Über Öle liest man im Ratgeber der Regierung nichts. Wer sich wirklich gesund ernähren will, muss also stets differenzieren und die besten Produkte auswählen. Das kann jedoch nur, wer gut informiert ist und sich an unabhängige Ratgeber hält.

Quelle:

http://www.hsph.harvard.edu/nutritionsource/healthy-eating-plate/healthy-eating-plate-vs-usda-myplate/index.html

Ein Kommentar

  1. Z.
    2. April 2014

    Das ist doch eigentlich ein Skandal! Da werden nachweisbar falsche Empfehlungen ausgesprochen, die sich sogar gesundheitsschädigend auswirken können, nur damit die US Lebensmittellobby Vorteile genießen kann. Andererseits könnten sich die US Bürger ja auch selbst informieren und könnten dadurch erkennen, welchen Wert solche Empfehlungen wirklich haben. Mir ist allerdings nicht bekannt, ob es in Europa anders ist.

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