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Dieser Artikel wurde am
27. Februar 2014 veröffentlicht.

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Was ist Psychoneuroimmunologie?

Was ist Psychoneuroimmunologie?Das Immunsystem ist ein Rätsel. Trotz intensiver Forschung ist Wissenschaftlern immer noch nicht klar, wie einzelne Abwehrzellen interagieren, um Eindringlinge unschädlich zu machen. Doch eins ist in den letzten Jahrzehnten deutlich geworden: Psyche und Immunsystem sind eng vernetzt. Was viele Patienten schon längst wussten, erhält nun ein neues Fundament: Ein junges interdisziplinäres Forschungsgebiet erfasst systematisch, warum unglückliche Menschen häufiger krank werden. Doch was ist Psychoneuroimmunoloige genau? Kann sie neue Therapieansätze liefern, die dem Einzelnen mehr Gestaltungsmöglichkeiten einräumen?

Psychoneuroimmunologie: Teil eines neuen Weltbildes

Die letzten 400 Jahre gab das materialistische Weltbild den Ton an: Krankheiten galten als Funktionsstörungen des Körpers, die ausfindig gemacht und eliminiert werden müssen. Doch dieser Ansatz stößt an seine Grenzen, wenn psychosomatische Erkrankungen ins Spiel kommen. Wohl aus diesem Grund etablieren sich immer mehr Forschungsgebiete, die den Mensch als Ganzes betrachten, als Einheit aus Körper und Geist. Dazu gehört auch die Psychoneuroimmunologie.

Diese Disziplin untersucht die Einflüsse der Psyche auf das Immunsystem – und umgekehrt. Beide stehen im regen Austausch miteinander: Botenstoffe übermitteln, ob eine Krankheit im Verzug ist oder der Tag wieder viel zu stressig war. Diese Verzahnung bleibt nicht ohne Folgen.

Warum Stress das Immunsystem schädigt

Stress löst eine ganze Reihe körperlicher Reaktionen aus: Das Hirn setzt Hormone frei, die dafür sorgen, dass sich die Muskeln anspannen, mehr Blut in den Kopf fließt, der Blutdruck steigt und das Herz schneller schlägt. Schließlich muss der Körper krampfbereit sein, um eine drohende Gefahr abzuwenden. Dass sich moderne Menschen aufgrund von Reizüberflutung oder Zeitdruck gestresst fühlen, weiß das Gehirn nicht. Es kann zwischen realen und eingebildeten Gefahren nicht unterscheiden.

Sobald das Gehirn Entwarnung gibt, wird ein weiteres Hormon ausgeschüttet, das für Entspannung sorgt. Cortisol dämpft aber nicht nur überschüssige Erregung, sondern auch das Immunsystem. Ist also dauerhaft zu viel Cortisol im Blut, weil eine stressige Situation die nächste jagt, sind die Abwehrmechanismen nicht mehr in der Lage, ihre Aufgaben zu erfüllen. Der Mensch wird krank.

Wenn Viren nicht mehr wirkungsvoll bekämpft werden können, haben Erkältungen und Grippe ein leichtes Spiel. Sind zu viele Antikörper im Blut, kommt es außerdem leichter zu Allergien oder Hautkrankheiten. Diese und andere Erkrankungen bleiben wiederum dem Gehirn nicht verborgen: Das Immunsystem meldet durch die Übermittlung bestimmter Botenstoffe, dass etwas nicht stimmt. Die Folge ist typisches Schonverhalten. Der Mensch hat keinen Hunger mehr, ist lustlos, niedergeschlagen und zieht sich zurück. Im schlimmsten Fall entsteht ein Teufelskreislauf, denn wenn diese Zustände zur Gewohnheit werden, leidet wiederum  das Immunsystem darunter. Doch die Psychoneuroimmunologie hat auch gute Neuigkeiten: So ein Teufelskreislauf kann auch positive Effekte verstärken …

Das Immunsystem positiv beeinflussen

Glückliche Menschen sind gesünder. Dass an dieser Binsenweisheit tatsächlich etwas dran ist, macht die Psychoneuroimmunologie deutlich. So zeigen Studien, dass positive Gefühle aller Art wie zum Beispiel Dankbarkeit, Freude oder Enthusiasmus die Resistenz gegen Erkältungsviren steigern. Dies gilt aber nicht nur für harmlose Erkrankungen wie Schnupfen und Husten, sondern auch für lebensbedrohliche Krankheiten Forscher fanden heraus, dass HIV-Patienten mit einer positiven Grundeinstellung länger leben als solche, die sich bereits aufgegeben haben. Ähnliche Effekte stellten Forscher fest, die sich Röteln-Infektionen widmeten: Patienten, die über ein gesundes Selbstwertgefühl verfügen, sind deutlich widerstandsfähiger.

Die Macht der Mitgestaltung

Die Psychoneuroimmunologie ist noch viel zu jung, um bereits mit konkreten Therapieempfehlungen aufzutrumpfen, sind es doch die Grundlagen, die noch erforscht werden müssen. Doch erste Schlüsse zeichnen sich bereits ab: Wenn der Mensch keine Maschine ist, die automatisch reagiert, sobald ein Krankheitserreger auftaucht, eröffnen sich große Freiräume. Schließlich ist der Mensch kein Opfer, sondern Gestalter seiner eigenen Welt: Durch seine Psyche lenkt er auch die Geschicke seines Körpers – und hat Einfluss seine Gesundheit.

Mehr Informationen über Psychoneuroimmunologie:

Quellen:

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