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Dieser Artikel wurde am
4. September 2014 veröffentlicht.

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Mehr Transparenz? Lebensmittellobby winkt ab

© gpointstudio_iStockPferdefleisch, BSE und Dioxine in Eiern: Lebensmittelskandale erschüttern in unregelmäßigen Abständen deutsche Verbraucher. Doch während mehr Transparenz in der Produktion gefordert wird, wehrt sich die Lebensmittellobby gegen verschärfte Kontrollen. Sind neue Gesetze nötig, um Verbraucher zu schützen?

Wie laufen Lebensmittelkontrollen momentan ab?

Lebensmittelbtriebe zu prüfen, ist Sache des Staates. Lebensmittelüberwachungsbeamte und Tierärzte sehen sich in einschlägigen Betrieben um und werten Proben aus, um die Einhaltung gesetzlicher Standards zu überprüfen. Damit die Ergebnisse authentisch sind, werden die Kontrollen nicht angekündigt. Gibt es Mängel zu beanstanden, entscheiden die Behörden, ob eine Rückrufaktion notwendig ist, um die Verbraucher zu schützen.

Das passiert allerdings nur selten, so das Bayerische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit. Vor allem, weil Betrieb und Behörde bei kleineren Mängeln unter Ausschluss der Öffentlichkeit darüber diskutieren, wie die Einhaltung der Vorgaben in Zukunft besser gewährleistet werden könnte. Doch warum gibt es trotz staatlicher Kontrollen immer wieder Lebensmittelskandale?

Zu wenige Kontrollen in deutschen Betrieben

Der Vorsitzende des Bundesverbandes deutscher Lebensmittelkontrolleure ist sich sicher, dass kein Ende der Skandale in Sicht ist, wie er der Aachener Zeitung berichtet. Denn zu wenig Geld wird in die Überprüfung der Betriebe investiert. In Aachen beispielsweise gibt es 13 Kontrolleure, aber 5.500 Lebensmittelbetriebe. Dass nur selten Kontrollen stattfinden, ist kaum verwunderlich.

Politiker gelobten zwar, für Besserung zu sorgen, aber mehr als leere Wahlversprechen kamen nicht dabei heraus. Das Problem ist nicht einfach zu beheben, da es struktureller Natur ist: Müssen Kompetenzen verschoben werden, gibt es immer einen Verlierer. In diesem Fall die Kreise und Städte, die ihre Verantwortung für die Lebensmittelkontrollen abgeben müssten. Die vorzeitige Lösung: Betriebliche Eigenkontrollen. Aber die geschehen momentan nur auf freiwilliger Basis.

Mehr Kontrollen, mehr Qualität?

Thilo Bode, Geschäftsführer von Foodwatch, hat ein klares Ziel vor Augen: Er will mehr Transparenz in den Produktionsketten der Lebensmittelindustrie. Deshalb fordert er, dass alle Lebensmittelbetriebe eigene Kontrollen durchführen müssen. Die Lebensmittellobby lässt sich von dieser Idee allerdings wenig begeistern.

Der Verbandsprecher des Bundes für Lebensmittelrecht und Lebensmittelkunde betont in der Online-Ausgabe der Wirtschaftswoche, dass bereits genügend Selbstkontrollen durchgeführt werden. Eine Neuregelung sei daher nicht notwendig. Unter strengeren Gesetzen würden vor allem kleine Unternehmen leiden, die sich aufwendige Rückverfolgungen kaum leisten können.

Restaurant-Kontrollen dürfen nicht mehr veröffentlicht werden

Auch Restaurants halten nicht viel von Transparenz. Zwar wurde 2012 ein Gesetz verabschiedet, das die Veröffentlichung von Lebensmittelkontrollen erlaubt, doch die Lobby wehrte sich. Kommunen, die Bürger darüber informierten, wie sauber ein Lokal war, mussten ihre Bemühungen nach einer erfolgreichen Klage einstellen. Allerdings soll die Rechtslage angepasst werden, um Verbrauchern entgegenzukommen. Es bleibt abzuwarten, inwieweit sich die Lage in Zukunft ändert.

 

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