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Dieser Artikel wurde am
26. August 2012 veröffentlicht.

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Schönheitsideale von heute: Sind Magermodels schon passé?

Was ist schön? Das fragen sich nicht nur besorgte Frauen, Künstler oder Werbetreibende. Die Frage nach der Schönheit ist so alt wie der Mensch. Und die Antworten müssen immer wieder neu gefunden werden. Auch heute sind tiefgehende Veränderungen zu beobachten: Waren es so lange die Magermodels, die das Schönheitsideal prägten, und die deformierten Gesichter, die in den Galerien ausgestellt wurden, finden sich heute ganz andere Tendenzen, die neue Perspektiven auf die Schönheit erschließen.

Von rundlichen Figuren zu Magermodels

Als Lebensmittel Mangel waren, waren es Frauen mit einer rundlichen Figur, die man bewunderte. Dieses Schönheitsideal hielt sich über Jahrtausende, bis sich schließlich die Wohlstandsgesellschaft etablierte und ganz andere Ideale mit sich brachte. Die Zeiten der Mona Lisas und Marilyn Monroes, die gerade wegen ihrer weiblichen Figur bewundert wurden, waren vorbei. Stattdessen galten schlanke Frauen als schön, denn diese stehen für einen aktiven Lebensstil und Selbstdisziplin. Doch der Trend steigerte sich so weit, dass nicht nur schlanke, sondern auch abgemagerte Frauen das neue Schönheitsideal prägten. Und damit Essstörungen, die zu anderen Epochen undenkbar gewesen wären, Tür und Tor öffneten.

Schönheit in der modernen Kunst

Magermodels und schlanke Stars sind in der Medienwelt allgegenwärtig. Was nicht gestylt werden kann, wird retuschiert, und so lächeln perfekt anmutende Wesen von Zeitschriftencovern und Werbeplakaten auf die Normalsterblichen hinab. Doch wie sehen moderne Künstler die Frau?
Die Kunst des 20. Jahrhunderts hatte den Hang, alles zu deformieren. Von Farbklecksen über grüne Quadrate bis hin zu verschobenen Proportionen war alles erlaubt, was das alte dekonstruierte. Demgemäß wirken auch die Gemälde von Frauen verschoben, ja sogar irritierend. Man werfe nur einen Blick auf Picassos Frauen, die zwar immer bunt und meist auch gutmütig, aber doch immer verzerrt aussehen.
War es seit jeher Aufgabe der Kunst, Schönheitsideale darzustellen, hat sich die moderne Kunst eher dem Gegenteil verschrieben. Das Hässliche, das Deformierte, das Irritierende rückt in den Mittelpunkt und stellt weniger ein Ideal, als eher die gefühlte Wirklichkeit dar, in der sich der moderne Mensch gefangen sieht. In einer Welt, die in sozialer, ökonomischer und ökologischer Sicht auseinanderzubrechen droht, ist auch der Mensch kein Ganzes mehr.
Hat sich da etwas getan?

Ein neuer Blick auf die Schönheit: Die Künstlerin Antje Stratmann

Kunst ist vielfältig, Kunst wandelt sich. Und so scheinen auch die deformierten Gesichter aus den Werken der zeitgenössischen Künstler zu verschwinden. Natürlich wäre eine verallgemeinerte Aussage vermessen, doch zeigen sich hier und da Bilder, die von ganz anderen – ganz neuen – Geschichten erzählen.
So zum Beispiel die Werke der Künstlerin Antje Stratmann. Die Freiburgerin zeigt uns keine zerrütteten Gesichter, sondern bannt vielmehr Gestalten aufs Papier, die mit ihrer Umgebung verschmelzen. Da gibt es beispielsweise die „Blaue Frau“, die in einem Wirbelwind zu stehen scheint und deren sanfte Konturen in den Horizont übergehen. Wo beginnt die Frau, wo endet der Himmel? Man muss schon genau hinsehen, um die Konturen auszumachen.

Der harmonische Gesamteindruck wirkt so ganz anders als die Werke der Künstler des 20. Jahrhunderts. Diese Frau wurde nicht aus der Welt herausgeschnitten und wirkt nicht zerstückelt, sondern ihre Formen gleichen denen der Welt um sie herum. Ähnliches gilt für die anderen Werke Stratmanns.
Vielleicht drückt diese neue Perspektive auf die Schönheit nichts neues, sondern vielmehr etwas altes aus: Die Harmonie, die in der Antike gefeiert wurde, und die sich im Körper einer schönen Frau ausdrücken konnte, scheint dem Menschen eingebrannt zu sein. Und auch wenn diese Harmonie zeitweilig verloren schien – und modernes Stückwerk und Magermodels ihren Platz einnahmen – so war sie vielleicht nie ganz verschwunden und wagt es jetzt erst wieder, an die Oberfläche zu treten.

Schönheitsideale in der Werbung

Gut und schön, mag man sagen, aber gilt auch für die Gesellschaft, was in zeitgenössischen Kunstwerken geschaffen wird? Findet sich auch dort eine Harmonie wieder, die weit über gestylte und retuschierte Fotomontagen hinausgeht? Die Antwort ist: ja.
Man muss allerdings etwas suchen, um die Beweise zu erbringen. Anführen lassen sich Werber, die keine idealisierten Frauengestalten „benutzen“, um ihre Produkte anzupreisen, sondern Frauen buchstäblich von der Straße holen und dort casten.
Ein Kosmetikhersteller sorgte für großen Wirbel, weil er Frauen unterschiedlichen Alters und Aussehens für seine Werbekampagne ablichten ließ. Auch in der Lebensmittelindustrie fallen natürlich wirkende Frauen ins Auge, die beispielsweise mit geschlossenen Augen eine Mineralwasserflasche leer trinken – und dabei nur von grünem Gras und blauem Himmel umgeben sind. Das Einfache, das Natürliche und das Harmonische scheinen in den letzten Jahrzehnten wohl zu kurz gekommen zu sein. Und nun tauchen diese Ideale wieder auf – um uns das zu zeigen, was eigentlich schon immer da war: grünes Gras, blauer Himmel – und schöne Frauen.

2 Kommentare

  1. Frieda
    28. August 2013

    Hey.
    Der Artikel ist sehr interessant.!
    Ich plane eine Präsentationsprüfung über dieses Thema zu machen.
    Weiß irgendwer, wo ich das Bild von Antje Stratmann finden kann? Hab schon gegoogelt, aber kein Ergebnis.
    Schon mal danke.

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