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Dieser Artikel wurde am
5. Dezember 2013 veröffentlicht.

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Schönheitsforschung: Auf der Spur eines uralten Zankapfels

SchönheitsforschungSeit Jahrtausenden treibt sie die Menschheit um: Schon die griechischen Göttinnen Aphrodite, Pallas Athene und Hera kamen sich in die Haare, weil jede die Schönste sein wollte. Erst als Paris der hübschen Aphrodite den Zankapfel zugestand, Symbol der Schönheit, war der Streit zu Ende. Die griechische Sage verarbeitet ein Problem, das die Menschen damals wie heute gut kennen: Jeder will der Schönste sein. Kein Wunder also, dass sich mittlerweile auch die Wissenschaft für dieses Thema interessiert. Psychologen errechnen „Schönheitsformeln“, Neurologen erforschen, wie das Gehirn Proportionen verarbeitet und Evolutionsbiologen erklären, warum sich alles ums Aussehen dreht.  

Was ist Schönheit?

Schönheitsideale verändern sich im Lauf der Zeit. Mona Lisa würde heutzutage wohl keine neidischen Blicke mehr auf sich ziehen. Wenn Psychologen also verkündigen, die ewige Formel der Schönheit gefunden zu haben, ist Vorsicht geboten. Der Abstand zwischen Mund und Augen müsse 36 Prozent der Gesichtslänge betragen, während der Abstand der Augen 46 Prozent der Gesichtsbreite ausmachen dürfe. Aus diesen Werten modellierten die Forscher das perfekte Gesicht, das Abbild vollkommener Schönheit. Klingt beeindruckend. Doch wie kann es sein, dass Superstars wie Angelina Jolie nicht in dieses Schema passen? Und gilt diese Norm nur für unsere Kultur, die bestimmte Schönheitsideale verfolgt? Auch Zahlen sind relativ. Zweifellos liefern sie interessante Ergebnisse, solange sie nicht überbewertet werden.

Wie erkennen wir Schönheit?

Schönheit liegt nicht nur im Auge, sondern auch im Gehirn des Betrachters. Diese Schlussfolgerung legen die Ergebnisse neurologischer Forschungen nahe. Die Wissenschaftler gingen der Frage nach, wie unser Gehirn auf schöne Formen und Gesichter reagiert. Und entdeckten ein Zwei-Stufen-Modell: Noch bevor wir uns einer schönen Form bewusst werden, springt ein Neuronen-Netzwerk an, das für Glücksgefühle sorgt. Deshalb reagieren auch schon Babys auf schöne Gesichter und betrachten sie eingehender als andere. Bei Erwachsenen reagiert nach einer Sekunde allerdings ein zweites Neuronen-Netzwerk: Nun dringt das Gesehene ins Bewusstsein. Es wird analysiert, bewertet, in Kategorien gesteckt. Erst jetzt haben wir ein Aha-Erlebnis: „Dieser Mensch ist schön!“ Dafür können wir nun auch allerlei Gründe angeben. Den Neuronen sei Dank.

Warum gibt es Schönheit?

Bleibt nur die Frage, warum sich ein so komplexes Phänomen wie die Schönheit im Lauf der Jahrtausende entwickelte. Evolutionsbiologen gehen davon aus, dass Schönheit ein Indiz für Gesundheit ist und daher bei der Partnerwahl hilft. Weiße Zähne, glänzendes Haar, leuchtende Augen und ein straffer Körper zeugen von einen guten Gesundheitszustand. Körperliche Merkmale können außerdem auf einen funktionierenden Hormonhaushalt hinweisen: Östrogen sorgt für einen schmalen Kiefer, reine Haut und volle Lippen. Aber auch für funktionierende Eierstöcke. Vielleicht haben Männer über die Jahrtausende gelernt, diese Zeichen zu interpretieren. Und Frauen, die scheinbar gesund waren, zu bevorzugen.

Doch warum die Abstände von Augen und Mund eine Rolle spielen, wie die Psychologen herausfanden, konnten die Evolutionsbiologen nicht erklären. Und warum nicht alle Menschen diejenigen schön finden, die in bestimmte Kategorien passen, liegt ebenfalls im Dunkeln. Nach den wissenschaftlichen Modellen reicht es aus, bestimmte Kriterien zu erfüllen: Wer volle Lippen, einen bestimmten Abstand der Augen oder weiße Zähne hat, ist schön. Doch ganz so einfach ist es nicht. An der Schönheit scheiden sich die Geister. Was dem einen gefällt, lässt der andere links liegen. Schönheit ist eben doch ein komplexes – und sehr individuelles – Phänomen.

 

Quellen und weitere Informationen:

http://www.welt.de/wissenschaft/article5581584/Geheimnis-der-Schoenheit-entschluesselt.html
http://www.wissenschaft.de/home/-/journal_content/56/12054/913723/
http://www.gq-magazin.de/leben-als-mann/beziehung/sex-von-a-z-s-wie-schoenheit

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