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Dieser Artikel wurde am
12. September 2012 veröffentlicht.

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Wie uns Gesundheitskampagnen beeinflussen

Gesundheit ist in aller Munde. Leider meist nicht in Form gesunder Lebensmittel, sondern als Dauerthema der Medien. Um eine Brücke zwischen Information und tatsächlicher Verhaltensänderung zu schlagen, wurden zahlreiche Kampagnen ins Leben gerufen. Natürlich gibt es genügend Unternehmen der Lebensmittelindustrie, die uns weiß machen wollen, dass ihre Süßigkeiten auch als „gesunde Zwischenmahlzeit“ verstanden werden können. Aber es gibt auch ernst gemeinte Gesundheitskampagnen, die wachrütteln und einen gesunden Lebensstil fördern wollen. Wer steckt eigentlich hinter solchen Kampagnen? Welche Ziele werden verfolgt? Es lohnt sich, den Spieß einmal umzudrehen und hinter die Kulissen der Meinungsbilder zu schauen.

5 am Tag: Gesunde Ernährung auf den Punkt gebracht

Wohl einer der bekanntesten Gesundheitskampagnen ist „5 am Tag“. Diese Kampagne, die auch von der EU finanziert wurde, bringt komplexe Erkenntnisse der Ernährungswissenschaft auf den Punkt. Fünf Hände voll Obst und Gemüse soll man täglich zu sich nehmen. Weil’s schmeckt – und weil so die Gesundheit gefördert wird.

- Wer steckt dahinter? Welche Ziele werden verfolgt?

Der Verein „5 am Tag“, der aus Ernährungswissenschaftlern, Krankenkassen und Ministerien besteht, erklärt ganz anschaulich, wie vielfältig Obst und Gemüse eingesetzt werden können. Das Ziel „5 am Tag“ ist erfüllt, wenn eine Dose Gemüse, drei Tomaten, fünf Trockenpflaumen und eine halbe Handvoll Nüsse auf dem Speisezettel stehen. Aber auch ein Glas Tomatensaft, zwei Hände voller Salat, ein Pfirsich, ein Glas Obstsaft und eine Handvoll Hülsenfrüchte dürfen es sein. Der Phantasie sind keine Grenzen gesetzt, Hauptsache, der Körper wird ausreichend mit Vitaminen, Mineral- und Ballaststoffen versorgt.

- Wie sehen die Aktionen aus? Wie wird kommuniziert?

Um mehr Menschen zum Verzehr von Obst und Gemüse zu bewegen, musste der Slogan „5 am Tag“ zunächst bekannt gemacht werden. Dazu tritt der Verein an Unternehmen, Schulen und Verbraucher heran und gibt praktische Tipps, wie ein gesunder Lebensstil aussehen kann. So stellte der Verein beispielsweise 250.000 Früchte in Schulen zur Verfügung und platzierte Infostände in Büros großer Unternehmen.

- Welche Auswirkungen hat die Kampagne?

Doch die Deutschen scheinen schwer belehrbar zu sein: Immer noch essen die meisten nicht die empfohlene Menge an Obst und Gemüse, obwohl 40 Prozent der Deutschen bereits von der Kampagne gehört haben.

Die Pfundskur Sachsen: wenn ein Bundesland abnimmt

Aber nicht nur eine vollwertige Ernährung trägt zur Gesundheit bei. Auch Bewegung spielt eine große Rolle. Deshalb gibt es viele Gesundheitskampagnen, die die Deutschen bewegen wollen – und zwar wortwörtlich. So will die Kampagne „Pfundskur Sachsen“ nicht nur Tipps für eine gesunde Ernährung, sondern auch für ein regelmäßiges Sportprogramm bieten.

- Wer steckte dahinter? Welche Ziele wurden verfolgt?

Die AOK Badenwürttemberg und die AOK Sachsen, SWR1 und der MDR machten die „Pfundskur“ zu einem Medienspektakel. Zehn Wochen dauerte das Aktionsprogramm, das Hunderttausende – zumindest kurzfristig – motivierte, sich gesünder zu ernähren und sich mehr zu bewegen.

- Wie sahen die Aktionen aus? Wie wurde kommuniziert?

Die Pfundskur konnte viele Partner für sich gewinnen. So beteiligten sich Gaststätten, Gemüsehändler, Bäcker und viele anderen an den Aktionen und boten während der zehnwöchigen Kampagne gesunde Produkte an. So sorgt die Kampagne nicht nur für ein breites Informationsangebot, sondern holte die Menschen dort ab, wo sie sich befanden: in den Geschäften vor Ort, wo direkt neue Verhaltensweisen eingeübt werden können. Wenn Menschen nicht nur informiert werden, sondern das hinzugewonnene Wissen direkt umsetzen können, zeichnen sich schneller Erfolge ab. So auch bei der Pfundskur Sachen.

- Welche Auswirkungen hatte die Kampagne?

Einer Studie zufolge kann sich die Pfundskur mit beeindruckenden Erfolgen brüsten: 94 Prozent der Teilnehmer achten auch Jahre später auf eine gesunde Ernährung. Im Schnitt haben sie rund acht Pfund abgenommen.

IN FORM: die Initiative der Bundesregierung

Nicht nur Krankenkassen, Ernährungswissenschaftler und Medien verfolgen das Thema Gesundheit mit Nachdruck. Auch die Bundesregierung ist auf das weit verbreitete Fehlverhalten seiner Bürger aufmerksam geworden. Gegen Bewegungsmangel und ungesunde Ernährung wurde deshalb die Gesundheitskampagne „IN FORM“ gegründet. Diese Initiative umfasst nicht nur Übergewichtsprävention, sondern will ganz allgemein einen gesunden Lebensstil fördern.

- Wer steckt dahinter? Welche Ziele werden verfolgt?

Das Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV) und das Bundesministerium für Gesundheit (BMG) wurden aktiv, um die ehrgeizigen Ziele umzusetzen. Wer jedoch einen „gesunden Lebensstil“ fördern möchte, muss umfassende Kampagnen entwickeln.

- Wie sehen die Aktionen aus? Wie wird kommuniziert?

Ausführliche Tipps und Hilfestellungen erhalten interessierte Bürger auf der Internetplattform von IN FORM. Hier werden Ansprechpartner vor Ort genannt, Rezeptideen verbreitet und Veranstaltungen bekannt gemacht. Aber auch konkrete Projekte werden von IN FORM gefördert. Kitas, Altenheime und Schulen beispielsweise sind gute Kooperationspartner, wenn es um Verhaltensänderungen geht.
Irritation löste jedoch die Kooperation der Bundesregierung mit einem deutschen Drogeriemarkt aus. So stellte dm der Initiative IN FORM Werbeplätze zur Verfügung. War die Werbung für dm zwar mit einem schwarzen Strich von der Anzeige für IN FORM getrennt, so sorgte diese Symbiose doch für Unmut.

- Welche Auswirkungen hat die Kampagne?

Die ehrgeizigen Ziele der Kampagne reichen bis ins Jahr 2020: Bis dahin sollen sich das Bewegungs- und Ernährungsverhalten der Deutschen maßgeblich verbessert haben. Erst dann wird man beurteilen können, ob die erhofften Erfolge eingetroffen sind. Bei einem Jahresbudget von fünf Millionen Euro, einem gelungenen Internetauftritt und vielen erfolgreichen Projekten darf man jedoch guter Dinge sein

 

Weitere Infos über die Kampagnen:

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