Meta

Dieser Artikel wurde am
18. Dezember 2013 veröffentlicht.

Arztsuche

Interview: Warum Diäten fehlschlagen

Ihre Diät funktioniert nicht? Erfahren Sie, warum.

© AleksandrL – istockphoto.com

Essen ist eine Kunst. Und zwar eine, die man lernen kann: Das zu sich zu nehmen, was gesund ist und schmeckt, ist die Grundlage für Genuss beim Essen. Auch dann, wenn es ums Abnehmen geht. Diesen Ansatz vertritt die Dipl. Oecotrophologin und Ernährungsberaterin VDOE Monika Speier, die ihre Klienten seit vielen Jahren beim Abnehmen unterstützt. Dabei kam sie zu überraschenden Erkenntnissen: Warum es die „richtige“ Diät nicht gibt, radikale Hungerkuren nicht helfen und die Motive beim Essen eine so große Rolle spielen, verrät sie in unserem Interview. Wer weiß, warum Diäten häufig fehlschlagen, wird beim nächsten Mal eher Erfolg haben.  

Frage: Es heißt, Übergewicht ist zur Hälfte genetisch bedingt. Gibt es Menschen, die aufgrund ihrer Veranlagung einfach kein Gewicht verlieren, wie sehr sie sich auch bemühen? 

Fr. Speier: Vererbt wird die Veranlagung, übergewichtig zu werden, nicht das Übergewicht selbst. Wer entsprechend veranlagt ist, hat es in der heutigen Zeit des Lebensmittelüberflusses und Bewegungsmangels sicherlich schwerer, sein Gewicht zu „managen“ als jemand,  der andere genetische Voraussetzungen hat. Eine Gewichtsreduktion ist aber in der Regel trotzdem möglich, aber das Thema „Gewicht“ wird die Betroffenen sicherlich ein Leben lang begleiten.

Frage: Es gibt mittlerweile hunderte Diäten. Aus dieser Vielzahl die richtige auszuwählen, fällt so manchem Betroffenen schwer. Gibt es Diäten, die bei bestimmten Menschen nicht wirken, oder Methoden, die jedem beim Abnehmen helfen?

Fr. Speier: Grundsätzlich sollte eine Gewichtsreduktion immer langfristig angelegt sein und eine nachhaltige Veränderung der Ernährungsweise als Ziel haben.
Egal welche Art der Diätform man wählt: Kurzfristige sehr kalorienreduzierte Diäten führen zwar relativ schnell zu einer Gewichtsabnahme, aber meist auch zum Jo-Jo-Effekt – das Gewicht kann langfristig nicht gehalten werden.
Eine langfristige und sinnvolle Veränderung der Essgewohnheiten braucht immer ein individuelles Konzept, das zum Alltag, den Vorlieben und sonstigen Umständen des Menschen passt. Es ist wichtig, die Motive für das individuelle Essverhalten herauszuarbeiten und zu verändern. Auch gesundheitliche Voraussetzungen müssen berücksichtigt werden. Daher gibt es nicht die „eine Diät für alle“.  Meist bieten herkömmliche Diäten sehr strikte Vorgaben, die zwar kurzfristig Struktur geben und bei entsprechender Motivation auch zunächst Erfolg bringen, langfristig aber meist nicht beibehalten werden.

Frage: Manchmal schlägt die Diät auch nach Wochen nicht an. Was sind die häufigsten Gründe dafür?

Fr. Speier: Meiner Erfahrung nach hat das meist damit zu tun, dass die Kalorienzufuhr bei der Gewichtsreduktion zu gering  ist. Wird langfristig der Grundbedarf des Körpers nicht gedeckt, spart er Kalorien ein, und die Gewichtsabnahme wird immer schwerer. Außerdem verlieren wir bei einer zu strikten Kalorienreduktion anteilig zu viel Muskeleiweiß, was den Grundstoffwechsel zusätzlich hemmt, v.a. wenn die Gewichtsreduktion nicht durch ausreichend Bewegung unterstützt wird.

Frage: Wer es geschafft hat, einige Kilos zu verlieren, muss aufpassen, nicht vom Jojo-Effekt eingeholt zu werden. Wie kann man am besten vorbeugen?

Fr. Speier: Wie schon gesagt braucht es eine individuell passende Ernährungsumstellung, die eine eher langsame, dafür aber nachhaltige Gewichtsabnahme bewirkt. Das Konzept muss zur Person passen, so dass sie die neue Ernährungsweise auch beibehält, die schmeckt und Freude sowie Genuss beim Essen verspricht, ohne Verbote und unsinnige Einschränkungen.Bewegung ist zum Gewichthalten unerlässlich. Insbesondere bei Personen, die genetisch zu Übergewicht neigen, spielt Bewegung im Alltag und in der Freizeit eine große Rolle.

Frage: Haben Sie Geheimtipps, wie Betroffene Übergewicht schnell und nachhaltig reduzieren können?

Frau Monika Speier

Frau Monika Speier

Fr. Speier: Leider nein, sonst wäre ich wahrscheinlich schon Millionärin.
Ich kann mich nur wiederholen. Langfristig geht es nur mit einer Ess- und Lebensstiländerung. Eine eher langsame Gewichtsreduktion mit individuell passendem Konzept, ohne Hungern und ausreichend Bewegung führt meist zum Erfolg.  Außerdem ist es unerlässlich, die Ursachen und Motive für das (Zuviel)-Essen anzuschauen und zu berücksichtigen, d.h. die Verhaltensänderung steht im Mittelpunkt.

Frage: Am Frühstück scheiden sich die Geister. Ist es nun empfehlenswert, morgens etwas zu sich zu nehmen, oder nicht?

Fr. Speier: Studien zeigen, dass man das Gewicht besser hält, wenn man frühstückt. Ob das gleich in der Früh sein muss oder erst etwas später, wenn man direkt nach dem Aufstehen noch nichts essen kann, ist aber weniger wichtig. Generell ist die Gesamtmenge an Kalorien für den ganzen Tag entscheidend, die Verteilung auf sinnvolle Mahlzeiten ist aber wichtig, um ausreichend gesättigt zu sein, den Blutzucker stabil zu halten und Heißhunger zu vermeiden.

Frage: Was können Betroffene tun, wenn sie Appetit haben, zum Beispiel auf eine Tafel Schokolade, aber gerade auf Diät sind?

Fr. Speier: Ein absolutes Verbot macht meist keinen Sinn. Das sorgt nur dafür, dass wir ständig an die Schokolade denken. Ich empfehle eher, sich eine bestimmte Menge, z. B. einen Riegel von ca. 20 Gramm pro Tag, zuzugestehen und einzuplanen, und diese Schokolade dann zu genießen, ohne schlechtes Gewissen. Man kann es auch noch flexibler gestalten und z. B. eine bestimmte Menge für eine Woche einplanen und dann entscheiden, wie viel man davon pro Tag essen möchte.
Es macht trotzdem Sinn, nur eine kleine Menge an Süßigkeiten einzukaufen und als Vorrat zu halten. Vor allem, wenn es den Betroffenen sehr schwer fällt, nicht gleich eine ganze Packung zu essen. Lieber eine kleine Menge bewusst einplanen und dann ohne Reue genießen.

Frage: Was war Ihr größter Erfolg als Ernährungsberaterin?

Fr. Speier: Ich freue mich immer, wenn meine Patienten am Ende der Beratung sagen, dass sie sich wohler fühlen, zufriedener mit sich sind und sich bei ihnen nicht mehr alles nur ums Essen dreht. Das hängt nicht immer von den verlorenen Kilos ab, sondern auch davon, dass man im Laufe der Beratung lernt, mehr auf sich und auf das, was man wirklich  braucht, zu achten. Wer schon länger mit seinem Gewicht kämpft, ist meist sehr streng mit sich und hat echte Freude und den Genuss am Essen verloren. Wenn das zurückkommt und dann auch noch ein besseres Körper- und Lebensgefühl, dann ist das für mich ein großer Erfolg.

Vielen Dank für das interessante Interview! 

Mehr Informationen über Fr. Speier: http://www.arsedendi.de/

Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:

Schreib uns Deine Meinung