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Dieser Artikel wurde am
12. Dezember 2012 veröffentlicht.

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Das deutsche Gesundheitssystem – ein Fall für die Intensivstation?

Das deutsche Gesundheitssystem gleicht einer Baustelle: Jedes Jahr aufs Neue streiten Politiker über Reformen und Reformen der Reformen. Der Fehler im System, den sie zu beheben suchen, scheint grundsätzlicher Natur zu sein. Aber wo genau liegen die Problemherde? Wie sehen Lösungsansätze aus? Und wie schätzen Patienten das Gesundheitssystem ein? Erfahren Sie, warum das Gesundheitssystem ein Fall für die Intensivstation ist und wie eine Genesung herbeigeführt werden könnte. 

Rückblick und Status quo

Das deutsche Gesundheitssystem ist stolze 130 Jahre alt. Einst von Otto von Bismarck eingeführt, war es das erste Sozialgesetz des deutschen Kaiserreichs. Die Aufteilung in private und gesetzliche Krankenkassen kam allerdings erst später dazu. Die private Krankenkasse zählt vor allem Beamte und Besserverdiener zu ihren Mitgliedern und berechnet ihre Beiträge je nach Risikoeinschätzung der einzelnen Mitglieder.
Das Solidarprinzip dagegen liegt der gesetzlichen Versicherung zugrunde: Wer weniger verdient, zahlt auch weniger ein, erhält dafür aber die medizinischen Leistungen, die er braucht.

Aktuelle Problemherde

Das System klingt zunächst überzeugend. Nur scheint es mittlerweile nicht mehr einwandfrei zu funktionieren. Und tatsächlich: Die Politiker streiten aus gutem Grund um die Erneuerung des Gesundheitssystems. Denn die Problemherde sitzen tief: demographischer Wandel und Alterung der Gesellschaft, steigende und immer teurer werdende Behandlungsmöglichkeiten und daraus resultierende hohe Lohnnebenkosten rütteln an den Grundfesten des Systems.

Lösungsansätze: Die Reformen von 2007 und 2011

Um den drängenden Problemen zu begegnen, wurde 2007 der Gesundheitsfond eingeführt. Nach der Erhöhung im Jahr 2011 steuern alle Arbeitnehmer nun 15,5 Prozent ihres Einkommens bei, wobei die Arbeitgeber für knapp die Hälfte der Kosten aufkommen. Die Krankenkassen wiederum beziehen ihr Geld nicht mehr von den Versicherten selbst, sondern aus dem sogenannten Fond. Zusätzlich dürfen die Krankenkassen eine Pauschale erheben, wenn das Geld des Fonds nicht ausreicht. So sollen die Versicherungen gegen die steigenden Kosten gewappnet sein. Aber reicht diese Reform aus?

Die Bürgerversicherung – eine Alternative?

Wissenschaftler der Uni Köln sehen in der Bürgerversicherung eine Alternative zum bestehenden System. Bei dieser Variante würden sich die Bürger alle im selben Tarif versichern und einkommensabhängige Beiträge zahlen. Zusatzpauschalen wären somit Vergangenheit.
Darüber hinaus bringen Befürworter an, dass die Bürgerversicherung eine Abwanderung gesunder und leistungsstarker Berufstätiger in die private Krankenversicherung verhindern könne. Das Problem der gesetzlichen Kassen, viele alte und kranke Mitglieder versorgen zu müssen, könne so gelöst werden. Die finanzielle Last wäre dadurch verringert.

Das Zwei-Klassen-System aus gesetzlichen und privaten Krankenkassen wäre damit abgeschafft. Es ist nicht nur moralisch fragwürdig, sondern gilt auch als ineffizient: Denn wenn Patienten nicht die Versorgung erhalten, die sie benötigen, sondern je nach Kassenart über- oder unterversorgt werden, profitiert am Ende niemand davon.
Auch der hohe Verwaltungsaufwand der Risikobestimmung wird kritisiert, den die privaten Krankenkassen betreiben müssen und der zusätzliche Gelder verschlingt.

Was denken die Patienten?

Wenn Politiker über das Gesundheitssystem diskutieren, stehen meist Zahlen und Fakten im Vordergrund. Lastenverteilung, Kosten und Effizienz wollen schließlich bestimmt werden. Reformen und Gegenreformen sind das Resultat.
Patienten haben derweil einen ganz anderen Blickwinkel: Sie sind diejenigen, die die Folgen der politischen Entscheidungen zu tragen haben.

Die Ergebnisse einer aktuellen Patientenstudie von jameda zeigen, dass mehr als Zweidrittel der Patienten ihren Ärzten zwar vertrauen und ihre Gesundheitsversorgung positiv einschätzen, doch die Zukunftserwartungen sind verhalten. Denn die Patienten sind der Überzeugung, dass finanzielle Therapieentscheidungen eine immer größere Rolle spielen werden und sich die medizinische Versorgung verschlechtern wird.
Hier wird deutlich, dass die Patienten die Probleme des Gesundheitssystem durchaus erkannt haben: Die moderne Behandlungen und die Alterung der Gesellschaft lassen das Gesundheitssystem immer teuer werden. Politiker versuchen zwar, diese Entwicklungen abzumildern, letzten Endes wird es jedoch nicht überraschen, wenn die Patienten das Gros zu tragen haben. Bleibt zu hoffen, dass das Gesundheitssystem seine hohen Standrads trotz dieser Probleme beibehalten wird.

 

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